Die Spuren-Jäger - Göran Schattauer
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Haare, Blut, Schmauch, Bombensplitter: Die Tatortgruppe des Bundeskriminalamts (BKA) sammelt ein, was von Verbrechen übrig bleibt – und zählt zu den besten Ermittlerteams weltweit. Porträt einer Eliteeinheit, die deutsche Kriminalgeschichte geschrieben hat

 

Jeder hat sie schon gesehen. Im Fernsehen. In der Zeitung. Vielleicht sogar in der Nachbarschaft: Polizisten in weißen Overalls, mit Latexhandschuhen, Mundschutz, Aluminiumkoffern. Manchmal tragen sie Gasmasken und säurefeste Schuhe. Sie steigen über Leichen. Lesen Haare von Teppichen. Wühlen in Betten fremder Leute. Ihre Aufgabe ist es, Spuren zu finden, die Straftäter hinterlassen haben – Patronenhülsen, Fingerabdrücke, Fasern, Speichel, Sperma. Sie werden an Schauplätze grausamer Verbrechen gerufen. Und für einen Tropfen Blut fliegen sie um die halbe Welt.

 

Die Jäger des Bösen sind legendär, ihre Truppe ist eine Eliteeinheit. Normalerweise scheut die Tatortgruppe des Bundeskriminalamts (BKA) die Öffentlichkeit. Keine Namen. Keine Gesichter. Keine Details. Die Behördenleitung verrät nicht einmal, wie viele Männer und Frauen dem Team angehören. FOCUS durfte dennoch ausführlich mit Beamten sprechen und sie bei ihrer Arbeit begleiten.

 

Joachim Keßler, 57, ist ein großer, stämmiger Mann mit Brille, verheiratet, zwei Töchter. 1977 kam er zum BKA. Anfangs hämmerte er Zeugenaussagen mühsam in die Schreibmaschine. „Ich tippte nach dem System Terrorismus – alle zwei Sekunden ein Anschlag“, schmunzelt Keßler. Er spürte Waffenhändlern nach, ging gegen Rauschgiftdealer vor, hob Autoschieber-Banden aus. Zwölf Jahre lang führte er das Mobile Einsatzkommando des BKA. 2007 stieß er zur Tatortgruppe. Endlich.

 

„Als Junge habe ich ’Die Stunde der Detektive’ von Jürgen Thorwald gelesen“, erzählt er. „Das hat mich fasziniert.“ Er wollte auch so einer werden, wollte graben und schnüffeln und mithelfen, Straftaten aufzuklären. Heute leitet Kriminaldirektor Keßler eines der beiden Referate der BKA-Tatortgruppe: ZD 31, allgemeine Tatortarbeit.

 

Das zweite Referat, ZD 32, hat sich auf die Untersuchung von Sprengstoff- und Brandanschlägen spezialisiert. Sachgebietsleiter ist Peter Setzer, ein kleiner, rundlicher Mann mit freundlichen Augen und wenig Haaren. Der 55-Jährige kommt wie sein Kollege Keßler aus Rheinland-Pfalz und ist schon lange im Geschäft. Abgeklärt. Sachlich. In sich ruhend. Er war an Dutzenden Tatorten. Seine großen Fälle standen alle in der Zeitung, auf Seite 1: Herrhausen-Mord, Weiterstadt-Anschlag, Solingen-Inferno, Attentat auf den libanesischen Ex-Ministerpräsidenten al-Hariri, Terror gegen deutsche Urlauber auf Djerba. Viele Tote. Verletzte. Leid. Die Opfer lassen Setzer nicht kalt. „Ich bin kein abgebrühter Hund, der sagt: ,Das ist halt ’ne Leiche, was soll’s?’“ Es wühlt ihn auf, wenn ein Leben gewaltsam endet. Die Bilder bleiben. „Es ist wie ein Rucksack, den man im Lauf seines Ermittlerlebens füllt und der immer schwerer wird.“

 

Seine Anfangsjahre bei der Tatortgruppe fallen in die Hoch-Zeit des Linksterrorismus. Gleich der erste Einsatz führt Setzer an den Schauplatz eines heimtückischen Anschlags, verübt von Killern der Rote Armee Fraktion (RAF). Straßlach, südlich von München, 9. Juli 1986. Der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts fährt zur Arbeit. Kurz nach dem Ortsausgang, unter einer riesigen Esche, explodiert eine Bombe. Sie schleudert den grauen Dienst-BMW über die Straße. Beckurts und sein Chauffeur Eckhard Groppler sind sofort tot. Unmittelbar nach dem Anschlag springt Setzer, damals 27, in einen Hubschrauber und fliegt von Wiesbaden nach Bayern. Die Tatortgruppe trägt etliche Spuren zusammen, aber keine führt zum Ziel. Fast 30 Jahre sind seither vergangen, Setzer gibt nicht auf. „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass der Fall aufgeklärt wird“, sagt er. „Sei es durch ein spätes Geständnis auf einem Sterbebett oder mit Hilfe der DNA-Analyse.“ Manche Mörder stolpern über ein Haar.

 

Die Spezialisten des BKA sammeln ein, was von Verbrechen übrig bleibt – vom tonnenschweren Radlader bis zu mikroskopisch feinen Stäuben. Dabei gehen sie mit forensischer Kühle vor. Sie bewerten keinen ihrer Funde, wissen nie, ob eine Spur den Verdächtigen be- oder entlastet. Entscheidend ist, dass sie jeden Schritt dokumentieren, damit später vor Gericht keine Zweifel an einem Beweisstück aufkommen.

 

Tatortarbeit folgt einem strengen Prinzip: Auge, Kamera, Hand. Zunächst schauen sich die Ermittler um, suchen nach typischen oder ungewöhnlichen Spurenbildern. Dann wird fotografiert. Erst jetzt drehen die Experten die Leiche um, heben Sofakissen an, öffnen Schubladen. Die gesicherten Asservate werten Kriminaltechniker anschließend aus.

 

„Einen Tatort muss man erspüren“, erklärt Peter Setzer, „man muss versuchen, ihn zu durchschauen und zu verstehen.“ Immer wieder vernichten oder verwischen Gangster Spuren. Dass sie gezielt falsche Fährten legen, passiert sehr selten. Einmal verstreute ein Mörder Nägel rings um die Leiche. Damit wollte er die Suche nach Geschossteilen mittels Metalldetektoren behindern. Übersehen die Fahnder Beweise, können die Konsequenzen fatal sein. „Wir haben immer nur eine Chance“, sagt Setzer. „Finden wir nichts, ist die Möglichkeit häufig ein für alle Mal vertan.“

 

Der BKA-Mann führt den Reporter in ein langes, schmales Büro. Ein Mitarbeiter der Asservatenkammer schiebt einen Rollwagen in den Raum. Vorsichtig nimmt er Gegenstände aus den Kartons und breitet sie aus. Dutzende Teile eines schrecklichen Puzzles werden sichtbar. Teile, die für blutige deutsche Geschichte stehen. Für Tod. Hass. Angst.

 

Ganz links auf dem Tisch: der Fall Detlev Karsten Rohwedder, ermordet am 1. April 1991 in Düsseldorf. Da liegt der olivgrüne Feldstecher, durch den die Killer den Top-Manager beobachteten. Da sind die Hülsen, die beim Schießen aus der Waffe fielen. Da ist die zerborstene Scheibe des Arbeitszimmers. Und da liegt, in Klarsichtfolie geschlagen, das am Tatort entdeckte Frotteehandtuch. Wie wichtig Asservat 2.8 einmal werden würde, ahnten die Ermittler damals nicht. Zehn Jahre nach dem Attentat ergab eine Genanalyse: Ein Haar, das an dem blauen Tuch hing, gehörte dem RAF-Mann Wolfgang Grams.

 

An der Stirnseite rechts: der Fall Alfred Herrhausen, ermordet am 30. November 1989 in Bad Homburg. Der Chef der Deutschen Bank starb auf dem Weg zur Arbeit in seinem gepanzerten Mercedes-Benz. BKA-Fahnder Setzer sicherte damals Spuren am Auto des Opfers. Jetzt hält er die Werkzeuge der Bombenleger in den Händen: Teile des zerstörten Kinderfahrrads Globus 2000, auf dem die Sprengladung deponiert war. Reste der Infrarot-Lichtschranke. Das Messgerät, mit dem die Täter den Stromdurchfluss zur Zündleitung überprüften.

 

Aus den Überbleibseln der linksextremen Gräuel ragt nebenan eine blaue Plastiktonne mit dem Aufkleber „Wasserstoffperoxidlösung“ heraus. Wie ein gespenstisches Symbol steht das Fass für ein vereiteltes Attentat, das Deutschland 2007 ins Mark treffen sollte. Eine Gruppe Islamisten, genannt Sauerland-Bomber, wollte zerstören und töten. Gerade noch rechtzeitig konnten Fahnder sie stoppen. Beschlagnahmte Asservate zeigen, wie nah die Gotteskrieger ihrem Ziel waren. In Schuhen hatten sie Sprengzünder ins Land geschmuggelt, Elektronikbauteile lagen bereit. Das zynischste Utensil kostete die Radikalen – im Sonderangebot – 99 Euro und besteht aus rostfreiem Edelstahl: Ein „Party- und Suppentopf“, in dem sie Sprengstoff mischten.

 

Peter Setzer ist Tatort-Fan. Auch privat. Sonntags sitzt er mit seiner Frau auf dem Sofa und beobachtet die Fernsehcops der Nation. „Natürlich betrachte ich einen Krimi mit den Augen des ausgebildeten Polizeibeamten“, sagt er. Das ist nicht immer lustig. Besonders dann nicht, wenn Spurensicherer als Deppen dargestellt werden, die den Ausweis in der Jacke des Opfers übersehen. „Vieles, was da gezeigt wird, hat mit der Realität nichts zu tun.“

 

Die Realität. Das bedeutet 24-Stunden-Bereitschaft. Arbeiten am Limit. Extreme Situationen. Und das alles freiwillig. Die 1972 als „Arbeitsgruppe Sprengstoff“ gegründete Tatortgruppe des BKA ist ein Team für besondere Fälle. Geschieht irgendwo in Deutschland ein Verbrechen, ermitteln zunächst die örtlichen Polizeibehörden. Stellt sich heraus, dass Straftaten politisch motiviert sind, dass es internationale Bezüge gibt oder dass die Zahl der Opfer sehr hoch ist, schalten sie das BKA ein. Wie am 26. April 2002.

 

Erfurt, Gutenberggymnasium. Ein ehemaliger Schüler streift mordend über die Gänge. Klaus Wiebeck erhält den Auftrag, nach Thüringen zu fahren. Der Ex-Soldat, 1,89 Meter groß, durchtrainiert, Henry-Maske-Gesicht, ist für die Vermessung und Rekonstruktion von Tatorten zuständig. Der 51-Jährige setzt das Blaulicht auf den Polizei-Transporter, der von außen wie ein Familienauto wirkt, und heizt zusammen mit einem Kollegen über die A 4. Mit jeder Radiomeldung erhöht sich die Zahl der Toten. 17 sind es am Ende. Wiebeck verspürt „Adrenalin pur“. Vor der Schule wacht ein Panzerwagen. Vermummte Spezialkräfte schwirren umher. Die BKA-Leute schlüpfen in Schutzanzüge, nehmen ihre Alu-Koffer in die Hand und betreten das Gebäude durch eine Hintertür. Wiebeck bannt das Grauen auf Fotos: Patronenhülsen, Einschusslöcher, zerstörte Tafeln, Blutlachen. Er macht auch Bilder im Raum 111, wo sich der Amokläufer zuvor erschossen hat. Mehrere Tage verbringen die Beamten im Gymnasium. In Rucksäcken der Schüler klingeln Handys. Draußen legen Menschen Blumen ab. „Ich habe oft Gänsehaut bekommen“, sagt Wiebeck. Er ist Vater einer Tochter.

 

Früher mussten Polizisten Tatorte mit dem Maßband vermessen. Wiebeck verfügt über einen 65 000 Euro teuren Laserscanner, der dreidimensionale Bilder aufnimmt. Mit dem High-Tech-Gerät lassen sich Schauplätze von Verbrechen einfrieren. Noch nach vielen Jahren kann man überprüfen, in welcher Position die Leiche lag, wo sich Blutspritzer befanden, ob vielleicht eine Bierflasche auf dem Tisch stand. 2011 fliegt der Tatortbeamte nach Ruanda, um ein Kirchengelände aus allen Winkeln abzulichten. Während des Völkermordes 1994 hatte dort ein Massaker stattgefunden, bei dem Hunderte Kinder, Frauen und Männer der Tutsi-Minderheit abgeschlachtet wurden. Zeugen hatten die Szenen später geschildert. „Wir haben die Standorte dieser Zeugen eingenommen und überprüft, ob ihre Aussagen stimmen können“, erzählt Wiebeck. Das ist wichtig, weil der Prozess gegen den afrikanischen Bürgermeister in Deutschland stattfindet. 2014 wird er in Frankfurt am Main zu 14 Jahren Haft verurteilt.

 

Kann ein Tatortbeamter, der mit und von Katastrophen lebt, Erfolgsgefühle haben? „Definitiv“, sagt Sven Kröger. „Genau deshalb mache ich den Job.“ Es motiviere ihn, Straftäter zu überführen. „Gelingt es, geht man zufrieden nach Hause.“ Sven Kröger, Vollbart, Jeans, Sneakers, heißt in Wahrheit anders. Doch der 44-jährige Kriminalhauptkommissar aus der Nähe von Dortmund will unerkannt bleiben – um seiner Familie willen. Er verfolgt keine Eierdiebe. Zu seinen „Kunden“ zählen die in Hamburg lebenden Terroristen vom 11. September 2001 ebenso wie das rechtsextremistische Killerkommando NSU.
2007 muss er nach Sittensen, Niedersachsen. In einem China-Restaurant wurden sieben Menschen erschossen. Kröger und seine Kollegen finden einen gespenstischen Tatort vor. Es herrscht Totenstille. Notärzte, Sanitäter, Polizisten, alle weg, die Opfer längst in der Rechtsmedizin. Verblieben sind die stummen Zeugnisse eines Blutbads. Ein Haufen gebrauchter Latexhandschuhe zum Beispiel. Rettungskräfte hatten sie getragen und am Ende ihrer Arbeit weggeworfen. In der Ecke liegt ein abgerissener Handschuh-Daumen. Die BKA-Leute überlegen, ob es sich lohnt, ihn mitzunehmen, denn augenscheinlich gehört er einem Sanitäter. „Wir haben den Fetzen trotzdem gesichert“, so Kröger. Zum Glück. An dem Fragment wurden DNA-Spuren gefunden. Nicht von einem Retter – von einem der Mörder! „Er hatte während der Tat Handschuhe an.“

 

Manche Verbrechen, die das BKA beschäftigen, haben auf hoher See stattgefunden, in rauen, abgelegenen Bergen, inmitten von Wüsten. Kriminalhauptkommissar Detlef Dittmann reist oft an solche Orte. In der Elfenbeinküste findet er Blut am Rumpf eines Schiffs, auf dem ein deutscher Kapitän erstochen wurde. In Afghanistan untersucht er Terroranschläge. Im Juni 2009 fliegt er nach Jemen. Dort wurden zwei deutsche Frauen erschossen. Ihre Entführer halten noch eine fünfköpfige Familie aus Sachsen in der Gewalt. Dittmann und sein Kollege Wolfgang Himpler nehmen die Fährte auf. Eine schwierige Mission. Der Tatort – ein ausgetrocknetes Flussbett in der Wüste. Sengende Sonne. 45 Grad. Im Hinterhalt könnten Al-Qaida-Terroristen lauern.

 

Die BKA-Leute müssen vorsichtig sein. Schwer bewaffnete Mitglieder regionaler Clans gewähren ihnen Schutz. In Pickups rollen sie durch Kriegsgebiet. „Je näher wir dem Tatort kamen, desto mehr Kämpfer schlossen sich dem Konvoi an“, berichtet Dittmann. Die Polizisten kraxeln durch die Todessenke. Sie finden getrocknetes Blut und vom Sand verschluckte Geschossteile. Zum Auftrag der Ermittler gehört auch, die Wohnung der verschleppten Familie in der Provinz Saada zu durchsuchen. Sie nehmen Zahnbürsten und Kinderkleidung mit. Die DNA-Muster sollen helfen, die Deutschen im Ernstfall zu identifizieren. Während die beiden Töchter das Drama überleben und 2010 nach Sachsen zurückkehren, werden die Eltern und ihr kleiner Sohn 2014 für tot erklärt. „Eine traurige Nachricht“, sagt Himpler. „Aber unsere Arbeit war nicht umsonst. Wir konnten zumindest die erste Mordtat ein wenig aufhellen.“

 

Mehr als eine Aufhellung gelingt dem BKA-Duo Dittmann/Himpler im Fall eines Deutschen, dessen Torso 2005 in Kroatien angeschwemmt wird. Vier Jahre später sollen sich die beiden Beamten in der Wohnung eines Verdächtigen in Montenegro umschauen. Der Mann ist inzwischen verzogen, hat aber seine alten Möbel mitgenommen. Unter dem Fuß eines Schranks klebt verkrustetes Blut – vom Opfer. „Es war beim Zerstückeln unter den Schrank geflossen“, erzählt Dittmann. „Noch in der Wohnung wurde der Mörder verhaftet.“

 

Ohne die Spuren-Jäger des BKA bliebe wohl so mancher Fall ungelöst. „Sachbeweise sind bei der Verbrechensaufklärung das A und O“, sagt Joachim Keßler, einer der Leiter der Tatortgruppe. Gerade haben seine Leute in Süddeutschland eine Cannabisplantage abgeräumt. Wo genau, darf er nicht verraten. „Laufendes Ermittlungsverfahren.“ Immerhin nimmt er den FOCUS-Reporter mit in eine Außenstelle des Amtes, wo die sichergestellten Asservate untersucht werden. Das Labor befindet sich in einem unscheinbaren Flachbau am Rand Wiesbadens. Nur die Sicherheitsvorkehrungen – hohe Metallzäune, bewaffnete Posten, Videoüberwachung – lassen erahnen, wer hier arbeitet.

 

Damit keine Fremdspuren eingeschleppt werden, müssen alle Vollschutzkleidung anziehen, weiße Overalls, wie sie Tatortbeamte bei ihren Einsätzen tragen. Die Papieranzüge sind fast luftdicht, man kommt ziemlich schnell ins Schwitzen.

 

Herzstück von Labor F 114 ist ein etwa fünf Meter langer, fast deckenhoher Glaskasten. Darin hängen, wie frisch gewaschene Kleider, Beweismittel aus dem aktuellen Drogenverfahren: zwei Einkaufstüten vom Discounter sowie Dutzende durchsichtige Plastikbeutel. Offenbar hatten die Täter das Rauschgift darin aufbewahrt. Ob sie Fingerabdrücke hinterließen, wollen die BKA-Spezialisten nun herausfinden.

 

Zuerst bedampfen sie die Tüten mit Cyan-Acrylat, einer Art farblosem Sekundenkleber. Während Fingermuster auf dunklen Gegenständen sofort sichtbar werden, müssen transparente Sachen wie Glas und Folien anschließend mit einem violetten Kontrastmittel eingefärbt werden. Auch die Drogen-Tüten, die jetzt trocknen, wurden im Labor behandelt. „Mit etwas Glück“, sagt Keßler, „finden wir brauchbare Spuren.“ Er lächelt.

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